Peter Poet

Dichtung von Peter Hofmeister

Text & Leere

Dunkle Lettern spicken
Nur spärlich die Seiten
Serifen zum Schmucke
Leere füllt die Lücken
Das Nichts sticht ins Auge
Bedeutungslos der Text

Durch den dichten Nebel

Im Wind wiegt sich das Schilf
Wiegt mich in Sicherheit
So vertraut scheint mir dies Feld
Und doch… fremd
Nur Konturen dringen hindurch
Durch den dichten Nebel

Die Weiden vom Nebelschleier verhüllt
Lassen die Köpfe hängen in Trauer
Orientierungslos bleibe ich an der Stelle
Der Nebel dicht wie Stein
Kein Licht erreicht mich
Durch den dichten Nebel

Das Hören ersetzt das Sehen
Das Gluckern und Rauschen
Das Krächzen der Krähen
Alles scheint so vertraut
Und doch… fremd
Durch den dichten Nebel

Novembermond

In Unruhe verharren
Wo der Novembermond
Den Weg der Zeit bescheint
Und den Weg betrachtend
Der hinten und der vorne liegt
Dem nahen Horizont blind entgegen gehen
Den Rest wird man dann sehen

Viele Monde gekommen gegangen
Zeit verronnen und dann
Ist es wieder so weit
Die Ernte wird eingefahren
Eingefahren die Wege
Die wir seit ewigen Zeiten
Immer wieder beschreiten

Die Erde gehärtet vom Frost
Unbeweglich so scheint es
Die Trägheit der Masse
Und doch unentwegt in Bewegung
In Unruhe verharrt
Unterm Mondschein silbern glänzend
Unaufhaltsam der Fluss

So gehen sie und kommen
Momente in der Erinnerung
Bald klar bald verschwommen
Und im Mondschein betrachten wir
Wohin wir gehen und woher wir kommen
Bevor wir dem nahen Horizont blind entgegen gehen
Den Rest wird man dann sehen

Golem

Aus Trauerweiden geknüpft
Ein Golem mir geschaffen
Ranken erweckt zum Leben
Ein Donnern und ein Beben
Die Luft erfüllt vom Wiederhall

Wolkenverhangen der Himmel
Bald bricht schon hindurch das Blau
Und wärmend strahlt der goldne Schein

Nun graut ein neuer Tag
Und in der neuen Helle meines Geistes
Erkenn’ ich nun das Wesen
Das ich schuf aus Ranken
Entsprang nur den Gedanken

Katastrophe

Wolken, grau wie der Stahlbeton
Grinsend lachen die Trauerweiden
Schadenfreudig, die Gedankenleser
Geborstene Säulen säumen den Pfad
Die Warnungen fanden kein gehör

Es wurde die Losung ausgegeben:
Keine Gnade den Ungnädigen!

Zerbrochene Köpfe säumen
Ausgetretene Gedankenwege
Kontaminationsalarm!

Kettensägenmassaker

(streng geheim)
Bedrohlich dröhnend, Drohnen
Elektrische Felder
Schaudernd stehend vorm
Scherbenhaufen:
Eiskristall methodisch
nächtliche Schatten
verschleiert durch Neuronenfeuer
Werk, bezeugen sie, von dunklen Mächten
Stockend stochernd im Klärschlamm
Zeitenwände begrenzen hermetisch
Aktendeckel beenden die Untersuchung

Nicht den Rasen betreten

Nicht den Rasen betreten
Darfst dich nicht verspäten
Lauf geradeaus
Bleib nicht stehen
Sollst immer weiter gehen
Sie wollen Leistung sehen
Sollst dich raushalten
Gefühle ausschalten

Geschrieben/Written Januar/January 2011

Haikus (1)

And he said to me
Few moments last forever
And this one passed

So where is this place
You told me so much about
You never said where

Where are our minds when
When we just sit there and smile
Listen to the wind

Can you feel it too
Have you ever thought about
About the fields of home

The trees they have grown
Many a cloud has passed by
Has anything changed

Wandmalerei

Malerei an der Wand
Wer hat dich hier hingemalt?
Jeder geht vorbei
Kann dich sehen
Bleibt auch mal einer stehen?
Versucht dich zu verstehen?

Sie gehen einfach weiter
Haben keine Zeit
Immer im Stress
Nicht mehr aufnahmebereit
Nicht mehr zur Veränderung bereit

Malerei an der Wand
Wer hat dich erdacht?
Wer hat dich hier angebracht?
Keiner nimmt sich hier die Zeit dich anzusehen
Zeit ist Geld regiert die Welt dreht sich weiter

Der Markt ist beunruhigt
Seine unsichtbare Hand
Zerschneidet die Gesellschaft
Mit der Schere zwischen Arm und Reich
Jetzt ist er beruhigt

Malerei an der Wand
Hat schon jemand deinen Sinn erkannt?

Zivilisation

Oh wo geht es hin
Durch die Nacht
In die Dunkelheit
Im Scheinwerferlicht
Eine Figur aus schwarzem Nichts

Ich fürchte nichts
Mehr als den Untergang
Der Zivilisation
Er ist schon hier
Oder gab es sie nie

Zivilisation
Es war schön mit dir
Doch jetzt sind wir hier
Am Ende angelangt
Es ist zu spät

Haben alles unversucht gelassen
Wie konnten wir nur
Die letzte Chance verpassen
Zivilisation
Wir werden dich vermissen

März 2010 (Strophen 1 & 2) März 2011 (Strophen 3 & 4)